24.01.2026

Iran: Stimmen gegen das Schweigen

Was im Iran passiert – und warum wir hinhören müssen

Kein Internet, kein Telefon, tausende Protestierende tot und gefangen genommen - was gerade im Iran passiert, ist unfassbar.
Es finden sich kaum Worte für die Lage vor Ort. Trotzdem ist es gerade jetzt wichtig, dass wir für die Iraner und Iranerinnen laut sind.

Deshalb möchten wir die Plattform bieten, dass Iraner*innen selbst berichten können, was in ihnen vor sich geht.

Daher teilen wir auf diesem Weg die Worte von Iranern und Iranerinnen, die in Deutschland leben.

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Über die Proteste

"Viele von uns leben seit Tagen und Nächten in Angst, in Trauer und einem Zustand des Schocks."

"Was dort gerade passiert, ist mehr als nur ein Protest. Es ist eine echte gesellschaftliche, wirtschaftliche und geistige Revolution."

"Millions of Iranians risked their lives to reclaim their country and dignity from a brutal regime that has invaded their land almost five decades ago. "

"Und unser Ziel ist ganz einfach: normal leben können. Freie und faire Wahlen, eine klare Trennung von Religion und Staat, echte Demokratie und eine neue Verfassung, die Freiheit und Menschenrechte schützt."

Das Internet wurde abgeschaltet

Am 08. Januar wurden die Internet- und Telefonverbindungen des Landes abgeschaltet. Es gelangen nur wenige Informationen und Bilder nach außen.

"Das kennen wir schon: Immer wenn brutal vorgegangen wird, wird die Verbindung zur Welt gekappt."
"Da gibt es keine Stimme nach außen"
"Damit die Welt nicht sieht oder hört, was geschieht"

"Langsam schaffen es einige Menschen, mithilfe von VPNs Videos nach außen zu senden."

Es gibt kaum Kontakt zu den Angehörigen

"Viele iranische Familien hier in Europa haben Angst um ihre Liebsten. Telefonate nach außen funktionieren fast gar nicht mehr. Ich selbst konnte nur einmal, etwa eine Minute lang, mit meinen Eltern sprechen. Danach war einfach nichts mehr zu hören.
Viele Menschen wissen bis heute nicht, ob ihre Angehörigen noch leben."

"Ich persönlich hatte fünf Tage lang keinen Kontakt zu meinen Eltern, bis sie es geschafft haben, mich für drei Minuten über das Festnetz anzurufen. Ich habe Glück, dass meine Eltern sich diesen Anruf leisten können, denn er ist sehr teuer. In diesen drei Minuten haben wir nur ausgetauscht, dass es uns „gut geht“. Aber das stimmt nicht wirklich – wir versuchen nur, füreinander stark zu bleiben. Während des gesamten Gesprächs hatte ich Angst, dass sie etwas gegen das Regime sagen könnten, weil ich weiß, dass die Gespräche überwacht werden und man dafür verfolgt werden kann."

Die Todeszahlen steigen, Berichte weichen stark von einander ab

Die Spannweite der Opferzahlen variiert je nach Quelle stark.
Das iranische Regime spricht zum 22.01. von mindestens 5.000 Toten. Menschenrechtsorganisationen und Berichte von Augenzeugen lassen auf eine deutlich höhere Zahl um die 18.000 Opfer schließen (https://www.tagesschau.de/faktenfinder/iran-proteste-todeszahlen-100.html)

"While the internet has been shut down, the Islamic Republic shoots injured people in hospitals, and is entering foreign militias to massacre its own citizens. Reportedly, the regime is using chemical weapons against its civilian population."

"Zwischen 12.000 und 20.000 Menschen wurden innerhalb von nur zwei bis drei Tagen getötet. Fast 300.000 Menschen wurden verletzt. Viele haben keine medizinische Hilfe, denn wenn sie ins Krankenhaus gehen, riskieren sie, verhaftet zu werden."

"Die Situation ist absolutes Chaos. Es handelt sich um ein Massaker.
Ich sehe Videos von Straßen, auf denen ich früher gegangen bin, übersät mit Blut. Ich höre, dass die Regierung den Familien Geld abverlangt, um die Leichen ihrer Angehörigen zurückzugeben."

Was können wir tun?

"Die Menschen im Iran bitten nicht um Mitleid, sie bitten darum gesehen und gehört zu werden."
"Bitte seid keine Zuschauer"
"Ihr könnt helfen, in dem ihr hinschaut, lest, darüber sprecht und Aufmerksam schafft."

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